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Die klassische Sage der Undine, der Jungfrau aus dem Wasser, die erst durch die Vermählung mit einem Menschen eine Seele bekommt, der aber stirbt, wenn er sie wieder verlässt, beeinflusste schon die unterschiedlichsten Künstler der verschiedensten Fassons – von den Komponisten Claude Debussy und Richard Wagner über Multitalent Andy Warhol und die Rockband Genesis bis hin zu Hans Christian Andersen, dessen berühmtes Märchen von der kleinen Meerjungfrau ebenfalls auf dem Undine-Mythos basiert und seinerseits die Vorlage für den Disney-Klassiker „Arielle“ ist.

Auch die Filmgeschichte prägte „Undine“ also – zuletzt mit „Ondine“ von Neil Jordan, bei dem die Mystik aber nach und nach zugunsten von Sozialromantik verschwindet. Nun widmet sich auch Christian Petzold in seinem Berlinale-Wettbewerbsbeitrag „Undine“ der Sage. Beeinflusst von Ingeborg Bachmanns Erzählung „Undine geht“ schafft er einige atemberaubende Bilder und romantische Momente, lässt aber sonst vor allem sein Hauptdarstellerduo brillieren.

Historikerin und Museumsführerin Undine (Paula Beer) wurde gerade von ihrem Freund Johannes (Jacob Matschenz) verlassen, obwohl sie ihm doch deutlich zu verstehen gegeben hat, dass das seinen Tod bedeuten würde. Doch just in dem Moment der Enttäuschung lernt sie bei einem Aquariumsunfall in einem Café den Industrietaucher Christoph (Franz Rogowski) kennen – und verliebt sich aufs Neue. Zwischen ihnen beginnt eine stürmische Beziehung. Sie fasziniert seine Welt unter Wasser, ihn ihre Klugheit. Doch dann trifft Undine zufällig Johannes wieder...

Bereits in „Transit“ ließ Christian Petzold Paula Beer („Frantz“) und Franz Rogowski („In den Gängen“) aufeinandertreffen. Ausgerechnet in der Stadt der Liebe Paris umkreisen sie sich dort aber nur – die Umstände verhindern, dass sie wirklich zueinanderfinden. „Undine“ wirkt nun bisweilen, als wolle Petzold nachholen, was Beer und Rogowski in „Transit“ noch verwehrt geblieben ist. Getragen von zwei der besten deutschen Schauspieler der Gegenwart entstehen so intensive und unglaublich romantische Szenen – bis hin zu einer berührenden Pointe, die wir hier aber natürlich nicht vorwegnehmen wollen.

Der Sumpf unter Berlin

Doch so vielschichtig „Transit“ und viele andere Werke von Petzold wie „Phoenix“ oder „Barbara“ sind, so simpel wirkt „Undine“ bisweilen. Die doppelten Böden, die verschiedenen Lesarten wollen nicht so richtig hervortreten, so sehr Petzold die klassische Sage auch an die Stadtentwicklung der auf einem Sumpf errichteten Metropole Berlin koppelt, so sehr Petzolds Stammkameramann Hans Fromm immer wieder über Modelle von Berlin bzw. der verschiedenen Vorstellungen eines möglichen Berlins in West und Ost gleitet.

In diesen Modellen wirkt die deutsche Hauptstadt steril und leer, als würden hier nur Geister wohnen, was sich auch etwas in den wenigen Aufnahmen der realen Stadt – zum Beispiel einem wenig besuchten, alten Café – fortsetzt. Das ist reizvoll, weil Petzold so einen interessanten Kontrapunkt zum sonstigen Kinoporträt von Berlin als vibrierender, von Menschen bevölkerter Metropole setzt, doch das wird dann doch nicht weiter aufgegriffen. Ob der Regisseur, der in seinen Filmen das Publikum immer wieder mit Formen von ganz realen und mystischen Gespenstern konfrontiert, so eine Parallele zur Gespensterhaftigkeit von Undine selbst ziehen will, bleibt offen.

Bisweilen laufen in „Undine“ die herausragende Liebesgeschichte im Zentrum und die famose Bebilderung anderer Sequenzen nebeneinander her, als würden sie aus zwei verschiedenen Filmen stammen – zu selten gehen sie Hand in Hand, wie bei einigen spektakulär-poetischen Unterwasseraufnahmen des Paares. Mit diesen verweist Petzold auch auf den Mythos und ruft ihn uns wieder in Erinnerung. Denn zwischenzeitlich droht man den Sagenhintergrund trotz ständiger Wasser-Symbolik fast schon zu vergessen, wohnt einer fast zu einfachen Liebesgeschichte bei.

So simpel ist die am Ende dann natürlich doch nicht, dafür ist Christian Petzold auch einfach ein viel zu starker Erzähler – der aber dieses Mal nicht den richtigen Endpunkt findet. Denn es schließt sich noch ein zu langer Epilog an, der „Undine“ trotz der moderaten Gesamtlaufzeit von 90 Minuten in die Länge zieht – dann aber in einer so starken Schlusssequenz mündet, dass sich der eigentlich überflüssige erzählerische Schwenker doch noch irgendwie lohnt. Und dass ist irgendwie sinnbildlich für „Undine“, einen Film, bei dem sich vieles nicht richtig anfühlt, am Ende aber doch immer wieder ein wirklich toller Moment dabei herauskommt.

Fazit: Mit „Undine“ beschert Christian Petzold den herausragenden Franz Rogowski und Paula Beer doch noch die Liebesgeschichte, die ihnen in „Transit“ verwehrt blieb. Ein herzlicher, ein freudemachender Film – aber dennoch deutlich hinter den Highlights der Filmographie des „Phoenix“-Regisseurs.

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